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Alt 23.01.17, 13:03
Benutzerbild von fred-art
fred-art fred-art ist offline
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AW: geordnetes Chaos

Ich arbeite mittlerweile auch zu 95% außerhalb des Studios. Aber wie soll ich dabei ein Bild nur anhand des Monitorbildes beurteilen. Wenn ich z.B. in der Sahara stehe und eine Düne fotografiere, dann muss ich ja schon irgendwie abschatten, um auf dem Display überhaupt was zu sehen. Das eigentliche Bild taugt dann überhaupt nimmer für eine Bewertung. Das ist jetzt bewusst ein Extrembeispiel, aber wenn Du am gleichen Ort bei strahlendem Sonnenschein und in der Nacht stehst, dann wird der Bildeindruck auf dem Monitor ebenso unterschiedlich ausfallen.
Die Histogramme bieten da weitaus mehr Aussage zur richtigen Belichtung. Bei der 5D wird dabei das eigentliche Monitorbild stark verkleinert um die Histogramme und sonstige Werte daneben anzeigen zu können:



Wenn ich dann doch mal das Bild beurteilen mag, z.B. ob die Augen geschlossen sind, dann zoome ich hinein, dadurch wird das Histogramm ausgeblendet.
Aber das Histogramm kann man bei allen Lichtverhältnissen recht gut ablesen, auch wenn man - z.B. in der Sahara - abschatten muss.

Wenn Deine Bilder out of cam zu dunkel sind, dann kannst Du doch sicher die Grundeinstellung der Kamera anpassen. Ich kenne Dein System nicht. Bei meinen Kameras kann ich in den erweiterten Einstellungen die Werkseinstellungen anpassen und dauerhaft speichern. Damit würde ich die Kamera so einstellen, dass die Bilder auf dem Monitor in der richtigen Helligkeit angezeigt werden.
Ich stelle meine Kameras so ein, dass die JPEGs out of cam ohne Nachbearbeitung so optimal wie möglich sind, sowohl was die Belichtung, als auch die Farbwerte betrifft. Im Fotojaournalismus ist das JPEG noch immer ein geläufiges Format, vor allem im journalistischen Bereich (Berichterstattung) muss es oft schnell gehen. Der erste, der ein Bild liefert, verkauft es auch. Ist zwar eher nicht mein Genre, aber ab und an hilft es auch mir.

Seit etlichen Jahren kommt bei mir Photoshop so gut wie gar nicht mehr zum Einsatz. RAW-Entwicklung und gut ists, ggf. mal Staub vom Sensor wegstempeln, aber das mache ich auch mit C1. Je besser das Bild aus der Kamera kommt, um so weniger Nachbearbeitung braucht es und um so mehr Reserven hat man dabei.

Was den ColorCheckerPassport betrifft: Ob der unausweichlich ist, muss jeder für sich selber entscheiden. Ich habe ihn mir mal zugelegt und nutze ihn auch regelmäßig - aber nicht immer. Vor allem bei Mischlicht hilft er extrem.
Für eine realistische Farbwiedergabe ist aber auch ein richtiger Weißabgleich nötig.
Die gute alte Graukarte ist auch deutlich billiger.

Wo beide Methoden suboptimal funktionieren, das ist bei der Landschaftsfotografie. Letztendlich funktionieren beide Methoden nur dann, wenn sich das Motiv in der gleichen Ebene befindet wie der ColorChecker oder die Graukarte.
Das Zonensystem von Anselm Adams könnte helfen. Seit die Digitalfotografie den Kontrastumfang des Films übertrifft, muss man das aber auch wieder in Frage stellen.

Ich habe lange gesucht, bis ich eine Lösung gefunden habe, die relativ unabhängig von der Entfernung ist. Meine Lösung ist das hier:

http://www.digitalphotographykits.com/whitebalance.htm

Mit dem Ding ist ein schneller Weißabgleich super einfach und - bei mir wichtig - auch sehr einfach möglich, den Sensor auf Staub zu prüfen.

Wenn Du das erstmal probieren willst, dann nimm einfach einen Deckel, wie man ihn manchmal auf Verpackungen von Nüssen findet oder auf so Press-Chips (Pringels...).



Das ist zwar vielleicht nicht unbedingt ein Referenzwert, aber relativ nahe dran.

Um das viele Geschreibsel zusammenzufassen: Stelle Deine Kamera so ein, dass die Helligkeit am Computer-Monitor passt und experimentiere ein wenig mit dem Weiß/Farbabgleich und achte ein wenig aufs Histogramm in der Kamera

Ich denke, damit ist Dein Problem in den Griff zu kriegen.

Fred
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(Imogen Cunningham)

Aktuelles Projekt: http://www.platz-vier.de
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