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Alt 10.02.14, 09:37
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Bilderkrieger: Von jenen, die ausziehen, uns die Augen zu öffnen - Kriegsfotografen e

Ich habe kürzlich dieses Buch geschenkt bekommen. Ich mag ja sowieso die dokumentarische Seite der Fotografie sehr gerne, weil sie mir um Längen mehr Geschichten erzählt als kunstvoll in Szene gesetztes Obst oder sonstwas (auch wenn diese Art zu fotografieren sicherlich auch ihre Berechtigung hat).

Dies jedoch ist ein anderes Buch. Verstörend, aufwühlend, tragisch. Es besteht aus Interviews mit Kriegsberichtfotografen und ihre Motivation, so zu arbeiten. Entstanden ist es, nachdem einige von ihnen eine Ausstellung organisiert haben mit Bildern, die vermutlich niemals in Zeitungen veröffentlicht werden würden; grausame, brutale Bilder. Einige solcher Bilder sind im Buch ebenfalls zu finden, aber hauptsächlich geht es um die Geschichten hinter den Bildern und um den unglaublichen Antrieb, ein Bild noch machen zu wollen.

Gleichsam ist es ein sehr politisches Buch. Einer der Fotografen spricht von den "vergessenen Toten" (Leitwort: Ein Tod, den niemand dokumentiert, ist ein vergessener Tod. Man kann das auch umdrehen: ein Tod, den Du dokumentierst, wirst Du nicht vergessen können.), und viele der Fotografen äußern sich zum politischen Hintergrund und zu ihrer Sicht der Dinge, aber auch zum Umgang unter den Fotografen untereinander und zu den Menschen, die sie unterwegs getroffen haben. Jede/r der Fotograf/inn/en aus dem Buch hat ganz eigene Herangehensweisen, was wichtig ist, und während einige eher direkt an der Front stehen, sind andere dabei, die die Hintergründe und das Alltagsgeschehen beleuchten. Prinzipiell geht es aber darum, einer Bilderflut entgegenzuwirken und zu zeigen, was einen Krieg wirklich ausmacht. Ein wichtiges Buch, finde ich, ein berührendes Buch und ein grausames Buch auch. Darum steht es hier.

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LG Monika

"Mehrere Ausrufezeichen sind ein sicheres Zeichen für jemanden, der seine Unterhose auf dem Kopf trägt."
(Terry Pratchett)


Geändert von felisalpina (10.02.14 um 19:51 Uhr)