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Alt 31.05.18, 16:36
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fred-art fred-art ist offline
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AW: ressefreiheit! Gegen EU-Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) für Fotografen, Kunst

Na ja, ganz so sehe ich das nicht.
Zum einen braucht es keine zusätzlichen nationalen Regelungen, denn die gibt es schon: Das Kunsturheberrechtsgesetz zum Beispiel und das hat sich seit vielen Jahrzehnten bewährt.
Solange wir nicht die Vereinigten Staaten von Europa sind, wird es immer nationale Gesetze geben, die EU-Gesetze müssten deshalb sehr kompliziert aufgestellt werden.
Um das zu umgehen, hat man zum Beispiel die DSGVO eng gefasst aber gleichzeitig jede Menge Auflassungsklauseln eingebaut. Für die einzelnen Länder bedeutet das, dass sie hier einfach nationales Recht vor EU-Recht stellen könnten. Haben auch einige Länder so gemacht, nur unsere Regierung hält das nicht für nötig. Die sagen dazu: Wir warten erstmal die ersten Gerichtsurteile ab und entscheiden dann, wie wir vorgehen.
Für mich unverständlich, denn es wäre ein leichtes, diese Gerichtsverfahren zu vermeiden ohne tatsächlich den Datenschutz zu verschlechtern.

Für die Hobbyknipser ist das so lange nicht relevant, wie der nur Blümchen oder Tiere fotografiert. Sobald er aber den Eiffelturm ablichtet und dabei noch die ein oder andere Person mit aufs Bild bekommt, dann gehen die Probleme los. Theoretisch muss er nämlich dann von jeder Person eine Erlaubnis zur Veröffentlichung haben, denn das nationale Gesetz, dass es erlaubt ist, Personen auf dem Bild zu haben, wenn diese nur Beiwerk sind, die wird ja durch das EU-Gesetz hinfällig.
Ebenso beim Fotografieren von öffentlichen Veranstaltungen. Im KUG ist festgeschrieben, dass jeder, der an einer öffentlichen Veranstaltung teilnimmt, damit rechnen muss, dass er fotografiert wird.
Das gilt jetzt nicht mehr.
Einzige Ausnahme bleiben die Personen des öffentlichen Interesses. Wer also Politiker oder sonstige Promis vor die Linse bekommt - jedoch nur, wenn die in der Öffentlichkeit unterwegs sind - der darf die Bilder weiterhin nutzen.

Für mich als freien Fotografen wird das Ganze auch schwieriger, denn die EU-Verordnung erlaubt nur festangestellten Fotografen die journalistische Tätigkeit.

Wie gesagt, so lange man keine Personen aufs Bild bekommt, ist alles nur noch halb so wild. Sind Personen zu sehen, wird es auch für Hobbyfotografen eine Gratwanderung, wenn er die Bilder veröffentlicht.

Fred
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