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Alt 28.08.17, 15:47
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fred-art fred-art ist offline
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AW: Warum es besser ist mit einer schlechteren Kamera zu fotografieren!

Zitat:
Zitat von Titus Beitrag anzeigen
Der Artikel trifft einen auch für mich wichtigen Punkt. Wer keine Inhalte sucht, kann sich in der Technik der Ausführung Befriedigung suchen. Dies gilt für alle Formen der Kreativität. Bei der Fotografie kommt dazu, dass beträchtliche Gewinne zu erzielen sind, wenn man die grosse Zahl der Amateure auf diesen Weg bringt.

So weit also einverstanden: Nur wird die "Analogfotografie" gerade jetzt zum Trend hochgejubelt. Es winkt das Geschäft mit Filmen, Filmentwicklung und neuen Scannern. Aussagen des Artikels wie: "Ich bin Fotograf! Ich benötige keine digital Kameras, kein Photoshop, kein Lightroom um gute Fotografien zu machen!" und "Es ist als Beispiel auch viel cooler trotz großem Einkommen einem minimalistischen Lebenstil zu haben" riechen für mich gerade wieder darnach, dass ein neuer Trend in Gang gesetzt und vermarktet werden soll. - Geht es wirklich darum "cool" zu sein?

Ich möchte dem Herrn Rausch diese Botschaft nicht unterschieben. Dennoch, sie ist zumindest missverständlich.
Nein, ich denke das siehst Du falsch. Weder wird die analoge Fotografie gerade zum Trend, noch bedeutet analog fotografieren gut zu sein. Das hat auch der Herr Rausch so nicht geschrieben. Gut, er möchte provozieren. Deshalb beschreibt er bewusst, wie die Betrachter seine Bilder reflektieren (er ist von seiner Qualität auch selber überzeugt) und was passiert, wenn er dann sagt, womit er die Bilder gemacht hat.
Ich bin mir relativ sicher, dass die Vielzahl seiner Bilder mit der digitalen EOS entstehen, die vor mittlerweile 7 Jahren auf den Markt kam. Ich kann mir sogar vorstellen, dass er auch auf die analoge Kamera zeigt, wenn er sie mit der Digitalen gemacht hat - ohne, dass ich ihm das unterstellen will. Meine 1DMKII habe ich 2005 gekauft und nutze sie heute noch sehr gerne für Sportaufnahmen, auch wenn sie technisch -z.B. vom Iso-Wert her - mit aktuellen Kameras nicht mithalten kann.
Wenn ich einem unbedarften Menschen diese Kamera unter die Nase halte, dann schaut das Ding wuchtig aus und gerade wegen dem Used-Look des Gehäuses auch wertig. Der wird deshalb nicht verstehen, was der Unterschied zu einer modernen Kamera ist und beide auf das gleiche Level setzen. Um den Unterschied - überspitzt - zu verdeutlichen, könnte ich meine analoge 1er Canon auf den Tisch legen. Die schaut gegenüber der digitalen wie eine Pocketkamera aus und sie hat natürlich auch weniger Bedienelemente und kein Display.

Meine persönliche Interpretation zum Artikel ist eher, dass er beschreibt, das das Bild nicht die Kamera macht, sondern der, der sie bedient. Auch mit den tollsten Funktionen und Automatiken wird so ein Teil nicht den kreativen Kopf dahinter ersetzen, selbst wenn sie eine Motivklingel hätte. Denn die ist ja so etwas wie die Vollautomatik und da wird das Bild, das der Sensor sieht, mit einer Datenbank verglichen, reininterprediert, was da zu sehen sein könnte und die Kamera auf die Werte eingestellt, die der Fotograf des Datenbank-Referenzbildes gewählt hatte. Alle Bilder der Automatik produzieren Bilder in dem Stil des einen Referenzfotografen - Einheitsbrei.

Eine Motivklingel könnte also bestenfalls Mainstream-Motive erkennen, was die Fotografie mangels Kreativität bei der Bildgestaltung langweilig werden ließe.

Im Artikel geht es m.E. um den Konsumwahn und wie wir darauf programmiert sind. Angefangen vom Fotoamateur bis hin zum unbedarften Betrachter.

Wenn er also schreibt: Ich bin Fotograf, ich brauche keine HighTech-Kamera und kein Lightroom/Photoshop, dann bedeutet das nicht, das er es nicht benutzt.
In dem Fall weiß ich, dass er seine digitalen Bilder mit LR - zumindest entwickelt und webtauglich macht.

Fred
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