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  #11  
Alt 23.01.17, 14:27
Benutzerbild von fred-art
fred-art fred-art ist offline
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Das habe ich schon richtig verstanden, Wolfgang.

Ich gönne jedem seinen Erfolg. Dabei ist es relativ unbedeutend, worauf er basiert. Hier im Raum München ist die Fotografendichte recht hoch, da braucht es Alleinstellungsmerkmale, um sich aus der Masse abzuheben. Trotz dieser Alleinstellungsmerkmale ist es eher schwierig, in finanzieller Sicht sehr erfolgreich zu sein.

Beispiel: Eich Hochzeitsfotograf nimmt 1.000€ pro Tag und macht durchschnittliche Bilder. Ein anderer nimmt 1.500 Euro und macht Spitzenbilder. Dennoch wird die Masse der Brautpaare schin mit den 1.000 Euro hadern, denn durch die Digitalfotografie ist der 'Wert' der Fotografen verwässert. Bei der Hochzeit werden jede Menge Gäste mit Kameras bewaffnet die Szene festhalten, es existieren hinterher Tausende von Bildern, die alle kostenlos sind. Warum also 1.000 Euro ausgeben oder sogar 1.500 Euro, da wird Opa Werner doch sicher auch ein paar brauchbare Aufnahmen machen.
Ich mache aus verschiedenen Gründen keine klassische Hochzeitsfotografie. Aber ich werde nie verstehen, weshalb man für den einen Tag im Leben zwar ohne mit der Wimper zu zucken 20.000 Euro in Kleid, Blumenschmuck, Musik, Bewirtung etc. investiert, aber dann gerade beim Fotografen spart.

Ich habe hier eine Nische gefunden, die ich aber nur sehr selten bediene: Ich fotografiere das, was der normale Hochzeitsgast nicht wahrnimmt. Es beginnt mit dem Anziehen der Braut, mit den Vorbereitungen in der Kirche, im Festsaal. Ich fotografiere während des Tages dort, wo sonst nicht der Focus liegt. spielende Kinder draußen im Garten, unter den Tischen etc. , Gruppen von Gästen am Rand, in der Küche, hinter der Bühne etc.
Das mache ich meist zu einem Preis, der nicht kostendeckend ist, weil es mir sehr viel Spaß macht. Aber dabei muss die Chemie stimmen. Nicht jede Braut mag es, wenn sie morgens um halb sechs in Dessous fotografiert wird, während sie sich schminkt...
Selbstredend, dass das die Fotografenkosten nochmal in die Höhe treibt, denn die eigentliche Hochzeit an sich fotografiere ich bewusst nicht.

Bevor ich hierher gezogen bin, hatte ich ein Studio zwischen Regensburg und Schwandorf. Es gab genau einen Konkurrenten, der aber gar keiner war, weil unsere Aufnahmebereiche und auch die Art zu fotografieren, sehr unterschiedlich war. Hier konnte ich den Preis so gestalten, dass er auch meine Risiken mit abgedeckt hat. Ich war aber nie skrupellos genug, um einen Mondpreis aufzurufen.

Zusammenfassend zeigt meine Erfahrung, dass es nicht nur auf die Qualität ankommt, die der Fotograf abliefert. Es gibt weit mehr Kriterien. Der Preis, die Konkurrenz in der Region, die Bandbreite (manche haben alle Genres im Portfolio, egal ob sie die beherrschen oder nicht. Hat man den Fotografen dann mal in seinem Parade-Genre gebucht und braucht Bilder in anderen Genres, dann greift man sehr wahrscheinlich wieder auf diesen zurück).

Hier nebenan gibt es einen Fotografen. Menschlich ein Unsymphat, von der Bildqualität her durchschnittlich, vom Preis her auch, vom Stil her eher konservativ.
Der ist dennoch gut im Geschäft, weil er immer da ist. Egal, ob der Bürgermeister am Sonntag jemandem zum 80. gratuliert, ob es eine Stadratssitzung ist die dokumentiert werden soll, ein Fest in der Region, ein Verein, eine Hochzeit, ein Klassenfoto. Er ist 24/7 buchbar und das ist sein Alleinstellungsmerkmal.

Ich für mich habe mich dafür entschieden, nur das zu machen, was mich interessiert und auch nur dann, wenn ich Zeit dafür habe. Ich habe mich entschieden, mein Leben nicht nur in Arbeitszeit zu definieren, obwohl ich von meinem Wunschverhältnis Arbeitszeit/Freizeit durch meine Scheidung und das damit einhergehende finanzielle Desaster bei weitem nicht da ist, wo ich es gerne hätte.
Weil ich mich dafür entschieden habe, nur in den Bereichen zu arbeiten, wo ich Qualität abliefern kann, ist es nicht möglich, alleine davon zu leben. Deshalb habe ich mit der EDV ein zweites Standbein, was mir auch hilft, Durststrecken im jeweils anderen Bereich zu überbrücken.

Ich werde damit nicht reich, zumindest finanziell gesehen. Aber ich tue etwas, was mir Spaß macht, in beiden Bereichen. Und das ist ein großes Stück Lebensqualität, was man nicht in Euro aufwiegen kann.

Fred
__________________
Which of my photographs is my favorite?
The one I'm going to take tomorrow.
(Imogen Cunningham)

Aktuelles Projekt: http://www.platz-vier.de
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  #12  
Alt 23.01.17, 15:05
kschachts kschachts ist offline
 
Registriert seit: 05.01.12
Beiträge: 3.292
AW: Fuji GFX Serie

Danke für den sehr persönlichen und ausgesprochen erhellenden Beitrag, Fred. Lieber Dinge zu tun, die einem zusagen, wo man wirklich gut ist, statt um jeden Preis Geld zu scheffeln, das gefällt mir. Das ist Leben.
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